10.1., 19h Eröffnung der “Selbstschenkerin” und Konzert - January 10th, 2006

Wolfgang Fuchs (turntables) und Noid (cello) bespielen die Selbstschenkerin und beschenken sich so selbst mit einem Konzert. 5uper.net lädt alle herzlich ein vorbeizukommen und sich auch beschenken zu lassen. Anschließend Installationseröffnung und eine kleine, feine Party.

Die Selbstschenkerin ist eine 4-Kanal Installation, bestehen aus “Lautsprecherblumen” aus denen nicht nur Wiesengeräusche erklingen, soblad man an ihnen vorübergeht, sondern in die Besucher auch selbst Nettigkeiten hineinsagen können, die dann in zufälliger Reihenfolge durch die Blumen wieder abgespielt werden. Noid (Arnold Haberl) und 5uper.net wollen damit einen Beitrag zu einem glücklichen, zufriedenen Abend leisten, an dem schließlich ein jeder selbstbeschenkt nach Hause gehen kann.

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Sie lebt von den Geschenken, die sie zurückholt. Sie hat kein Geschenk vergessen. Sie kennt sie alle, sie weiß, wo jedes ist. Sie grast die Orte nach ihnen ab und findet immer Vorwände. Sie geht gern in Häuser, die sie nicht kennt und hofft auch da ein Geschenk von sich zu finden. Selbst welke Blumen blühen wieder auf, um sich von ihr zurückholen zu lassen.

Wie hat sie nur je so viel schenken können und wie hat sie’s nicht früher schon geholt. Sie, die alles vergißt, Geschenke vergißt sie nicht und Schwierigkeiten hat sie nur mit verspeisten Geschenken. Das ist schon bitter, wenn sie erscheint und alles ist aufgegessen. Dann sitzt sie nachdenklich und verloren da und erinnert sich an etwas, was da sein sollte. Verstohlen sieht sie sich um, ein höflicher Mensch, ob nicht etwas versteckt sein könnte. In Küchen geht sie besonders gern, ein Blick in den Abfall, ein Stich ins Herz, da sind sie, die Schalen ihrer Apfelsinen. Hätte sie sie nur später gebracht oder wäre sie sie früher holen gekommen. >Meine Teekanne !< sagt sie und nimmt sie an sich. >Mein Schal! Meine Blumen! Meine Bluse!< Wenn die Beschenkte die Bluse trägt, bittet sie, sie anprobieren zu dürfen und geht, nicht ohne sich zuvor im Spiegel hin und her bewundert zu haben, in der Bluse davon.

Aber erwartet sie nicht, daß man’s ihr von selbst zu- rückträgt? Nein, sie holt es lieber selber. Aber läßt sie nichts mitgehen? Nein, es ist ihr um ihre Geschenke zu tun. An diesen hängt sie, diese will sie, diese gehören ihr. Aber wozu hat sie sie hergegeben? Um sie zurückzuholen, dazu hat sie sie hergegeben.”
(Elias Canetti – “Die Selbsschenkerin”)

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wer hat eigentlich dieses blödsinnige gerücht in die welt gesetzt, dass wahres schenken uneigennützig zu sein hat, das unhinterfragt dieser geschichte zu grunde liegt? von canetti, dem alten miesepeter, wäre hier eigentlich ein klarerer blick zu erwarten gewesen und so kann einfach kann ich’s ihm diesmal nicht durchgehen lassen.

er ertappt sich ja auch ein wenig selbst dabei wenn er davon spricht, dass die geschenkten blumen aufblühen, wenn sie ihre (der selbstschenkerin) gegenwart spüren, aber er hätte wohl auch noch auf ihnen blattläuse gefunden, oder eine wanze.
(noid)

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Links:

Noid – http://noid.klingt.org/

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